Bereits vor einigen Jahren war ich mit meinem Mann für ein paar Tage in Dresden und war von der Schönheit dieser Stadt etwas überrascht, auf alle Fälle aber begeistert. Seit wir dort auch noch Bekannte haben, hatte ich einen Kurzurlaub dort immer im Hinterkopf geplant. Dieses Jahr passte es, die Pläne konkreter werden zu lassen und letztlich umzusetzen.

Unterkunft

Nachdem der Zeitraum feststand, suchte ich nach einer Bleibe für uns. Da unsere Familie aus 2 Erwachsenen und 2 Kindern (derzeit 5 & 1) besteht, kam für mich ein Doppelzimmer im Hotel nicht in Frage. Zum einen hätten wir eine Aufbettung gebraucht und die empfinde ich meist eher als Notlösung, zum anderen bedeutet dies immer, dass sich keiner mehr bewegen kann, sobald eine(r) schläft. Nun machen wir zwar nicht mehr die Nacht zum Tage, aber etwas später als unser Kleiner gehe ich schon gern mal ins Bett oder möchte wenigstens räumlich die Chance dazu haben. Also ging die Überlegung eher in Richtung Appartement. Dabei war für mich weiterhin wichtig, dass die Große nicht auf einer Schlafcouch schlafen sollte, denn ich möchte nicht unbedingt, dass sie dort ihr Gesicht ablegt, wo andere vielleicht schon mit dreckigen Sachen saßen und wer weiß was veranstaltet haben. Ja, ich bin da etwas eigen! Außerdem bedeutet Schlafcouch oft auch, schlafen im Wohnzimmer und damit wären wir wieder beim ersten Kriterium. Also brauchten wir auch mindestens 2 Schlafzimmer. Wir bemühten verschiedene Buchungsportale, wurden nach einigen Irrungen und Wirrungen aber auf den Seiten des Dresdner Besucherservice fündig. An der Stelle aber der dringende Tipp, die Beschreibungen vom Dresdner Besucherservice unbedingt mit denen des jeweiligen Anbieters abzugleichen. Wir hatten eine Wohnung mit Waschmaschine ausgesucht, dementsprechend gepackt und vor Ort keine Waschmaschine vorgefunden. Das war äußerst ärgerlich! Dennoch muss man sagen, dass die Wohnung ganz okay und vergleichsweise günstig war (350 € für 5 Nächte). An der Stelle der Hinweis, dass in Dresden Bettensteuer zu zahlen ist und in den angegebenen Preisen selten enthalten ist!

ÖPNV

Unsere Wohnung war günstig gelegen um Bus und Bahn nutzen zu können. So haben wir nach unserer Ankunft das Auto geparkt und sind ab da mit dem ÖPNV gefahren. Das Streckennetz ist sehr gut ausgebaut und die Taktung empfanden wir ebenfalls als sehr sinnvoll. Länger als 10 Minuten mussten wir nie irgendwo warten. Für den Buggy war ebenfalls immer ausreichend Platz, selbst im SEV den wir zum Teil mit nutzen mussten. Lediglich das Ein- und Aussteigen war teilweise schwierig, da nicht alle Haltestellen ebenerdig sind.

Wir hatten uns im Vorfeld für die Welcome Card entschieden, da wir die eine oder andere Sehenswürdigkeit besichtigen wollten und ÖPNV-Nutzung inklusive ist. Schön hierbei ist, dass sie sehr individuell nutzbar ist (man hat die Wahl, zwischen Cards für ein, zwei oder drei Tage und kann den Gültigkeitsbeginn selbst festlegen), anstrengend hingegen ist, dass es viele unterschiedliche Cards gibt. Um die jeweilige Card optimal zu nutzen, sollte man sich im Voraus also schon einen gewissen Plan über deren Einsatz machen oder in Kauf nehmen, dass man draufzahlt. Aber auch mit der einfachsten Card hat man immerhin Ermäßigungen in allerlei Sehenswürdigkeiten.

Jenseits der Welcome Card fand ich die ÖPNV-Ticketpreise verhältnismäßig teuer und ärgerlich, dass Tageskarten sich nicht an der Entwertung, sondern am Kalendertag orientieren. Entwertet man diese also um 15 Uhr, gilt sie nicht bis zum Folgetag um 14:59 Uhr, sondern bis max. 4 Uhr am Folgetag.

Verpflegung

Da Dresden eine Universitätsstadt ist, haben wir das eine oder andere Mal das Angebot der ansässigen Mensen genutzt. Selbst ohne Studierendenausweis war dies eine kostengünstige und schmackhafte Alternative mit allerhand Auswahl für alle Familienmitglieder. Es gibt sogar eine Bio-Mensa (generell ist Dresden auffällig bio), alle Mensen sind barrierefrei, verfügen größtenteils (alle?) über Wickelmöglichkeiten, Hochstühle und zum Teil über Spielecken. In vielen Mensen ist es auch möglich, open air zu essen.

Außerdem kann man in Dresden allerlei exotisches verspeisen, zum Beispiel im Mama Africa. Auch dort gibt’s eine kleine Spielecke und einen Freisitz. Durch die etwas abgeschiedene Lage und die Weitläufigkeit können die Kleinen dort auch mal 2 oder 3 Schritte gehen ohne dass Mama oder Papa vom Essen wegstürmen müssten um die Kinder aus Gefahrensituationen zu retten.

Sehenswertes

Ich hatte mir bereits einige Tage vor unserer Reise ganz klassisch ein paar Reiseführer aus der Bibliothek geholt, das Internet und die eine oder andere Dresdnerin befragt um eine kleine To-Do-Liste zu erstellen. Da wir mit zwei Kindern reisten, war klar, dass alles auch mehr oder weniger kindertauglich sein musste. D.h. die Filmnächte am Elbufer beispielsweise standen nicht zur Debatte. Um es gleich vorweg zu nehmen, das Verkehrsmuseum und die Dresdner Parkeisenbahn haben wir nicht geschafft bzw. haben wir es zugunsten eines Ausflugs in die Sächsische Schweiz von der Liste streichen müssen. Nach eigener Erfahrung kann ich aber folgendes empfehlen:

  • Stadtrundfahrt

Den Tag nach unserer Ankunft haben wir mit einer Stadtrundfahrt im Doppelstockbus begonnen. Auch hier gibt es verschiedene Angebote; wir entschieden uns für die Hop On Hop Off-Variante, da die Tour 1,5-2 Stunden dauert und die Wahrscheinlichkeit recht groß war, dass unsere Kinder das am Stück überfordern würde. Im Bus konnte man sich kostenlos In-Ear-Kopfhörer abholen um die Führung in einer der 16 anderen Sprachen zu verfolgen. Zusätzlich gibt’s einen Kanal extra für Kinder (den dann aber wohl nur auf deutsch), sodass auch sie nicht nur stumpf mitfahren, sondern auch jede Menge lernen können. An der Stelle muss kritisiert werden, dass die Kopfhörer für Kinder äußerst ungeeignet sind, da sie für die kleinen Ohren meist zu groß sind und oft rausrutschen. Wer kann, wäre mit eigenen Bügelkopfhörern also gut bedient fürs Kind.

Bei der Stadtrundfahrt werden 22 Haltestellen/Sehenswürdigkeiten angefahren und man kann überall ein- oder aussteigen. Die Tour „beginnt“ am Postplatz/Zwinger, aber man kann auch an jedem beliebigen Haltepunkt zusteigen und ein Ticket kaufen. Es gibt (wenige) Stellplätze für Kinderwagen und der obere Sitzbereich ist nur per Wendeltreppe erreichbar.

Beim ersten Teil unserer Tour fand die sprachliche Führung ausschließlich per Band statt. Nach unserem Aus- und Wiedereinstieg waren wir in einem Bus, bei dem der Busfahrer viel ergänzte und so auch tagesaktuelle Infos einfließen ließ. Insgesamt haben wir so einen guten Überblick über die Größe und Schönheit der Stadt gewonnen und konnten so bspw. im Anschluss direkt den dabei entdeckten riesigen Spielplatz „Bastion Merkur“ an der Altmarkt-Galerie ansteuern. Dort kann man problemlos einige Stunden oder auch nur eine kurze Verschnaufpause verbringen. Für die ganz Kleinen ist er möglicherweise nicht lange reizvoll, aber mutige 3-jährige haben da sicher auch schon ihren Langzeitspaß.

  • Deutsches Hygienemuseum

Dieses Museum kommt mit einem etwas merkwürdig anmutenden Namen daher, ist aber wirklich sehenswert! Neben dem darin enthaltenen Kinder-Museum gibt es allerhand spannendes auch für erwachsene zu entdecken und vorallem auch auszuprobieren. Kleine Vorwarnung an alle Besucher mit Kindern: es gibt ein Kapitel zum Thema Sexualität mit dem Unterthema „Fetisch“ … dies hat bei unserer 5-jährigen bereits zu verwirrten Nachfragen geführt, die nur schwer kindgerecht zu beantworten waren. 🙂 Alle Bereiche hier zu benennen wäre abendfüllend, aber es gibt die Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ (mit der berühmten „Gläsernen Frau“) und immer wieder wechselnde temporäre Ausstellungen. Man sollte wirklich viel Zeit einplanen, denn die Ausstellungsfläche ist riesig und schon allein im Kinder-Museum kann man sich problemlos einige Stunden aufhalten. Alles ist barrierefrei erreichbar, man darf fotografieren, ganz viel ausprobieren und am Wochenende gibt’s 14 Uhr kostenlose Führungen. Was ich aber richtig gut durchdacht finde: die Eintrittskarten sind an 2 aufeinanderfolgenden Tagen gültig und wirklich erschwinglich; beispielsweise 13 € für eine Familienkarte („Zwei Erwachsene als Begleitung von mindestens einem Kind“ → also auch für Familien mit mehr als zwei Kindern!) und mit der Dresden Card gibt’s 20% Ermäßigung.

  • Schwebebahn

Dresden verfügt über zwei Bergbahnen; eine Standseil- und eine Schwebebahn (die älteste aktive der Welt!). Wir sind nur mit der Schwebebahn gefahren.

Schwebebahn

Nach ca. 4-minütiger Fahrt wird man mit einem atemberaubenden Blick über Dresden und viele seiner Sehenswürdigkeiten (Frauenkirche, Blaues Wunder, Elbtal etc.) belohnt. Leider ist die Schwebebahn nicht barrierefrei! Es gibt zwar in der Bahn Stellflächen für Kinderwagen, aber es gilt auch einige Stufen zum Einstieg zu bewältigen!

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Panoramablick über Dresden
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Blick von der Aussichtsplattform der Schwebebahn
  • Zoo

Wer mit Kindern reist, kommt um einen Zoobesuch meist kaum herum. Ich bin nicht der größte Zoofan, schätze aber sehr, dass sich die Wahrnehmung tierische Belange sehr zum positiven verändert und kann daher eher meinen Frieden mit derartigen Einrichtungen schließen. So machten wir uns auch in Dresden auf den Weg in den Zoo.

Der Eintritt und die Preise innerhalb des Zoos sind durchaus erschwinglich (montags sogar deutlich günstigerer Eintritt mit 8 €/Erwachsenen!) und es ist positiv zu erwähnen, dass Familienkarten (30 €) bis zu 4 Kinder inkludieren. Überrascht war ich, dass Bollerwagen Miete kosten; das ist im hiesigen Zoo anders. Das Areal ist sehr schön und weitläufig. Neben Löwen, Elefanten und Krokodilen gibt es auch jede Menge (mir bislang) unbekannte Tiere und natürlich ein Streichelgehege.

Flamingos im Zoo Dresden
Flamingos im Zoo Dresden

Einige wirklich schöne Spielplätze auf dem Gelände laden zum Verweilen ein und auch die ganz Kleinen kommen dort auf ihre Kosten. Es gibt 2 Wickelmöglichkeiten und zwar nicht nur auf den Damen-, sondern auch auf den Herrentoiletten und der Wickeltisch in den Damentoiletten ist sogar mit Windeln ausgestattet! Insgesamt war alles mit Buggy gut erreichbar, auch der Zoo selbst, der über eine Bushaltestelle direkt vor dem Eingang verfügt. Hunde dürfen auch angeleint nicht mit in den Zoo! Weiterhin ist es nicht gestattet, Roller, Laufräder etc. mit in den Zoo zu nehmen!

  • Sächsische Schweiz

Am letzten Dresden-Wochenende haben wir uns dem Umland gewidmet. Am Samstag machten wir mit einer befreundeten 3-köpfigen Familie einen Ausflug in die Sächsische Schweiz. Dort fuhren wir erst mit der Kirnitzschtalbahn von Bad Schandau zum Lichtenhainer Wasserfall. Die kleine Straßenbahn ist erschwinglich (wir haben als 4-köpfige Familie 16 € für hin und zurück gezahlt) aber nicht barrierefrei. Für die komplette Strecke muss man 30 Minuten Fahrtzeit einplanen und je nach Besucheransturm muss man damit rechnen, nur noch einen Stehplatz zu bekommen. Mit kleinen Kindern könnte das unter Umständen zum Problem werden. Je nach Andrang stehen aber Stellflächen für Kinderwagen zur Verfügung.

Kirnitzschtalbahn

Am Wasserfall angekommen haben wir im benachbarten Restaurant gegessen und während wir aufs Essen warteten, konnten sich unsere 3 Kinder in einer kleinen Spielecke „austoben“. Das Essen war gut und das Personal sehr zuvorkommend, denn als wir unsere Wanderung zum Felsentor „Kuhstall“ antreten wollten, sahen wir uns vor ein großes Problem gestellt. Trotz intensiver Recherche war für uns im Vorfeld nicht ersichtlich, dass der Aufstieg so unwegsam werden würde. Zum Glück hatten wir die Manduca dabei, mussten aber den Buggy irgendwo lassen. 30 Minuten mit der Bahn zum Auto zurückzufahren war dabei keine Option. Also fragten wir im Restaurant, ob wir den Buggy dort parken dürften und waren der Reaktion nach zu urteilen nicht die ersten mit dieser Idee. Wir sattelten also um und ab da ging’s zu Fuß weiter. Es gibt für den Aufstieg zwei mögliche Routen und wir entschieden uns für die leichtere … ich bin keine geübte Wanderin, fand den Weg stellenweise aber wirklich sehr anstrengend! Den schwierigen Weg hätte ich nicht sehen wollen!

Am Felsentor gab’s neben einem beeindruckenden Ausblick die sogenannte Himmelsleiter, mit der man zwischen zwei Felsen noch höher klettern kann. Ich war nicht oben und habe stattdessen die beiden 5-jährigen Mädchen gehütet, für die der Aufstieg tatsächlich nicht machbar war.

Felsentor „Kuhstall“
Ausblick vom „Kuhstall“

Danach gab’s noch Kaffee und Kuchen für alle im SB-Café direkt am Felsentor und dann sind wir wieder abgestiegen.2017-08-26 16.46.132017-08-26 14.04.48Am nächsten Tag war Abreise aus Dresden angesagt und bevor wir uns auf den Heimweg machten, trafen wir uns mit unseren Freunden noch auf eine Stippvisite am Barockschloss Moritzburg. Trotz des (Gott sei Dank!) fehlenden Schnees erkannte man sofort DAS Schloss. Denn dort wurde der bekannte Film „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ gedreht.

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Barockschloss Moritzburg

Man kann (kostümierte) Führungen mitmachen, eine Rundfahrt mit einer der Kutschen unternehmen, sein Glück mit dem goldenen Schuh versuchen oder einfach nur durch den Park schlendern. Wir entschieden uns für letzteres und verbrachten so noch einen schönen Tag an der frischen Luft und die Kinder hatten vor der stundenlangen Autofahrt noch ausreichend Bewegung.

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der goldene Schuh von Aschenbrödel

Einige Lokale vor Ort bieten Speisen und Getränke zu etwas gehobeneren Preisen an. Wir kehrten gegenüber des großes Parkplatzes vorm Schloss ein und fanden dort einen hübschen teilweise schattigen Freisitz vor. Die Kinder spielten bis das Essen kam, wobei es keine eigens eingerichtete Kinder“zone“ gab. Aber der Kellner und alle umliegenden Gäste waren entspannt, auch als bei uns ein Glas zu Bruch ging.

 

Fazit

Unsere Dresden-Reise war ein voller Erfolg für die ganze Familie! Alle sind auf ihre Kosten gekommen und wir sind ausnahmslos auf kinder- und familienfreundliche Menschen und Angebote gestoßen. Man kann viel Geld für Unterkunft und Verpflegung lassen, aber man kann auch an der einen oder anderen Stelle sparen. Gerade der Kauf der Welcome Card hat sich für uns absolut rentiert und bot somit weiteres Sparpotential. Wir kommen sehr gern wieder!

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