Seit einigen Jahren gibt es in den Socialmedia-Kanälen ja immer mal mehr oder weniger erfolgreiche Trends, die sich gefühlt zum Teil durch die ganze Welt bewegen; Stichwort: Ice Bucket Challenge. Zur Zeit ist #metoo in aller Munde und auch wenn ich zu vielem eine eigene Meinung habe, muss ich die nicht zwingend immer kundtun. Und so dachte ich, dass eigentlich bereits alles zu dem Thema gesagt wurde, zum Beispiel auch von Bloggermumofthreeboys. Nun habe ich aber heute beim Kochen – wie eigentlich immer sonntags – Tietjen talkt gehört, die Nina Kunzendorf zu Gast hatte und man kam auch auf das derzeit überall thematisierte #metoo zu sprechen … Ich weiß nicht, wer es kennt, aber manchmal ahnt man schon, dass jemand gleich was doofes sagt und trotzdem hofft man innerlich, dass man sich nur irrt und der andere es vielleicht doch nicht tut … die beiden taten es aber im Gespräch doch und deshalb dachte ich, ich sage da jetzt doch mal was zu.

Was wurde denn überhaupt gesagt?

Wer es wortwörtlich wissen möchte, muss dem Link oben folgen und sich die Redebeiträge nochmals anhören. Sinngemäß hieß es aber ‚ich [N. Kunzendorf] bin noch nie sexuell belästigt worden und finde es auch irgendwie komisch, dass die betroffenen Frauen sich das so lange gefallen lassen haben‘ … Wer sich durch meine Artikel klickt, wird schnell feststellen, dass ich beruflich Betroffene von häuslicher Gewalt berate. Eine der häufigsten Gewaltarten ist sexualisierte Gewalt und vielleicht reagiere ich deshalb etwas empfindlich auf derartige Äußerungen, aber die implizierte Frage beantworte ich an der Stelle mal für mich und eine meiner Situationen, denn … #metoo!

(M)eine Situation von vielen

Vor einigen Jahren war ich mit meinem damaligen Freund auf dem Weg zu einem Fußballspiel unseres Heimatvereins. Es war Sommer, es war warm, ich war sommerlich gekleidet. Das heißt, ich hatte eine lange Sommerhose an und ein sommerliches Shirt an. An die genauen Details meiner Kleidung kann ich mich nicht erinnern; definitiv war Haut zu sehen – warum auch nicht? – aber ich war anlassentsprechend gekleidet. Okay, einen Fan-Schal hatte ich sicher nicht um … 😉 Am Stadion angelangt kamen wir an den Einsatzwagen der Polizei vorbei; an den Beamten, die für die Sicherheit der Fans während des Spiels sorgen sollten … und sie machten anzügliche Bemerkungen über mich und in meine Richtung. Nein, mich hat niemand angefasst, aber es war sehr unangenehm, denn ich fühlte mich nicht mehr in Sicherheit. Wir gingen schnell weiter und ins Stadion hinein und auf dem Rückweg suchten wir uns einen anderen Weg, nicht unmittelbar an der anfänglichen Stelle entlang.

Was hätte ich tun sollen?

Nach der Radiosendung heute, fragte ich mich ernsthaft, was ich in der Situation hätte tun sollen, damit Menschen wie Frau Kunzendorf sich nicht fragen, warum ich mir das einfach so gefallen ließ und mir damit quasi eine Mitschuld an der Situation geben bzw. mir absprechen, dies heute unter #metoo zu posten, Jahre später. Hätte ich einen der Polizisten vor Ort ansprechen und auf das Fehlverhalten seiner Kollegen hinweisen sollen? Was wäre dann wohl geschehen? Hätten andere Polizisten den Vorfall bezeugt? Hätten sie gegen ihre Kollegen ausgesagt? Hätte das den Vorfall ungeschehen gemacht? Würde Frau Kunzendorf sich dann heute besser fühlen?

Wer sich nicht wehrt, hat mit Schuld oder ist gar kein wirkliches Opfer!

Das ist es, was bei den Betroffenen immernoch ankommt, wenn Fragen wie die von Frau Kunzendorf gestellt werden. Die Frage, wie man den Betroffenen hätte helfen können oder es künftig kann wäre doch irgendwie angebrachter, oder?

In einem persönlichen Gespräch mag es okay sein, eine so unbedachte Äußerung zu machen; in einer Radiosendung mit Schnitt ist es das für mich nicht! Vielleicht habe ich die Äußerung falsch verstanden, vielleicht hat man mich damit auf dem falschen Fuß erwischt, aber vielleicht fehlte den Machern der Sendung auch einfach nur die nötige Sensibilität für das Thema.

#metoo

Ich könnte hier leider einige Situationen berichten, in denen ich sexualisierte Gewalt gegen meine Person erlebt habe. Situationen, in denen sich ein Mann in der Straßenbahn neben mich setzte und begann neben mir zu onanieren, Situationen in denen mir unvermittelt von einem wildfremden Mann an die Brust gefasst wurde, Situationen mit schlechten „Herrenwitzen“ … sexualisierte Gewalt ist leider an der Tagesordnung, aber kein bißchen normal oder okay. Mich stört an der „Kampagne“ aber, dass so getan wird, als würden nur Frauen oder Mädchen zu Opfern. Auch Männer werden begrabscht, sexuell genötigt und anderweitig zu Betroffenen von sexualisierter Gewalt!

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2 Gedanken zu “#metoo

  1. Mir fehlt in Deinem Text die Ausgewogenheit, die Sicht beider Seiten.
    Ok, ich akzepiere es, denn das ist eben der Zeitgeist: Praktisch alle halten es für ok, wenn ein Dieb verurteilt und weggesperrt wird. Ich aber denk mir: Hätte er genug gehabt, hätte er nichts gestohlen. Sein Knastaufenthalt hilft ihm, und damit der Gesellschaft, nicht, sondern stellt ihn noch schlechter. Also, wem bitte, soll so ein Unsinn dienen!?
    Dennoch ist soetwas gesellschaftskonform!
    Detto, anzügliche, übergriffige, … was immer Männeräußerungen. Ein (sexuell) verstandener und ausgeglichener Mann tut soetwas sicher nicht.
    Vielleicht wären ja unsere Geschlechter- Rollen einmal zu hinterfragen …
    Ich hab vor einiger Zeit Paar- Seminare zum besseren gegenseitigen Bedürfnisverständnis angeboten: Ich war regelmäßig fassungslos wie wenig in dieser angeblich so aufgeklärten Informationsgesellschaft die Menschen voneinander wissen.

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    1. Ja und nein. Sexualisierte Gewalt ist immernoch gesellschaftlich akzeptiert und wird selten als anstößig empfunden. So wird bereits Jungen suggeriert, dass es okay sei, Mädchen diskriminierend zu behandeln. Und Ursachenforschung ist sicherlich nötig, kann von Opfern aber kaum ernsthaft verlangt werden. Selbst wenn man ein geringes Selbstwertgefühl als Grund ausmacht, sollte es doch im Interesse des Täters sein, nachhaltig dagegen anzugehen. Oder habe ich dich falsch verstanden?

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