da ist die gute Erziehung im Arsch!

Ein Thema über das man – mal wieder – unterschiedlicher Meinung sein kann. Auch in meinem näheren Umfeld wird geflucht und geschimpft was das Zeug hält. Zu meinem Leidwesen ist es allen voran mein Mann, der problemlos jedem „Kesselflicker“ oder „Bierkutscher“ das Wasser reichen kann. Sicherlich ist es vom eigenen Umgang mit Aggressionen abhängig, wie wortgewaltig man seinem Ärger Ausdruck verleihen muss; mir gibt’s ehrlich gesagt gar nichts, zu schimpfen wie ein Rohrspatz, wenn mir ein Ei runterfällt, mir jemand den letzten Parkplatz vor der Nase wegschnappt oder jemand meinen Kaffee verschüttet. Ich ärgere mich dann zwar durchaus auch und langanhaltend, aber ein „Scheiße!“ kommt mir dabei nicht so häufig über die Lippen. Noch mehr beherrsche ich mich, seit ich Kinder habe, denn ich finde es wirklich sehr abstoßend, wenn bereits die Kleinsten „Arschloch“, „Wichser“ oder schlimmeres von sich geben. (Mein Mann würde sicher auch behaupten, sich zusammenzureißen, nur merke ich das im Alltag eben kaum.) Deshalb versuche ich mit gutem Beispiel voran zu gehen und verwende solche Begriffe – insbesondere im Beisein meiner Kinder – kaum noch. Nun besteht die Umwelt meiner Kinder aber eben nicht nur aus Mama (und Papa) …

Scheiße & Co in unserem Alltag

Heute waren wir zum Faschingsumzug und ich war fassungslos, dass bei diesem Familienereignis „Scheiß drauf (Malle ist nur ein mal im Jahr)“ aus den Boxen dröhnte! Dieses Lied hat weder einen Faschingsbezug noch ist der Text kindertauglich. Warum muss sowas sein? Verbringe ich jetzt bis Aschermittwoch meine komplette Zeit damit, meinen Kindern derartiges Vokabular wieder abzugewöhnen?

Gestern war ich mit meiner Tochter in der Therme und dort wurden die Auslagen neu gestaltet. Während meine Tochter und ich uns anzogen, beratschlagte man in unmittelbarer Hörweite, ob dies oder das nun scheiße aussieht oder nicht. Na danke auch!

Bei meinem Sohn in der Krippe berichtete eine Putzfrau vor kurzem ausführlichst von ihrem scheiß Husten, der sie die halbe Nacht wach hielt … Geht’s noch? In einer Kita?

Wenn wir mit dem Bus fahren und meine Tochter bevorzugt den Platz schräg hinter dem Fahrer ansteuert, weil man da einen tollen Blick durch die große Frontscheibe hat, möchte ich ihr permanent die Ohren zuhalten, weil sie nach nur wenigen Minuten einen Wortschatz unterster Schublade vom Busfahrer vermittelt bekommt, der alle anderen Verkehrsteilnehmer sondergleichen beleidigt und seinesgleichen sucht.

Kinderziehung als gesellschaftlicher Auftrag?

Wenn mein Sohn im Einkaufszentrum einen Bockanfall bekommt, meine Tochter beim Entgegennehmen ihrer Eistüte nicht sofort und aus voller Kehle „danke“ sagt, dann stehen ruckzuck so viele Menschen parat, die allesamt einen ungewollten Ratschlag lausposaunen und sich scheinbar allesamt für die Erziehung meiner Kinder verantwortlich fühlen. Wenn es aber darum geht, gutes Beispiel zu sein und 3 Sekunden an der roten Ampel zu warten, bis grün ist und nicht schon vorher über die Straße zu laufen oder eben ein Vokabular zu wählen, das einem kleinen Kind in seiner (Sprach-)Entwicklung nicht schadet, dann scheint dies ein unrealistischer Wunsch zu sein. Wann ist es denn nur so salonfähig geworden, zu fluchen und so brachial zu schimpfen? Muss das wirklich sein?

Gibt es Alternativen?

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden. Ich bin kein Gutmensch, mache nicht alles richtig oder lebe völlig weltfremd. Auch ich schimpfe, versuche dann aber generell zu schauen, ob „scheiße“ jetzt wirklich sein muss oder ob „mist“ nicht reicht. Eine Bekannte sagte mal, dass wenn etwas scheiße ist, dann muss man das auch sagen können. Ja, dem kann ich mich anschließen, aber bei manchen ist „scheiße“ fast gleichbedeutend mit „aha“ und da wünsche ich mir wirklich, dass es ein gewisses Bewusstsein für die Situation, die Wortwahl und die Auswirkungen auf das Umfeld gibt.

Wie siehst Du das? Schimpfst Du spontan drauf los wenn irgendwas nicht klappt? Fällt Dir auf, wenn in Deinem Umfeld derartiges Vokabular verwendet wird? Stört es Dich? Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen zum und Deinen Umgang mit dem Thema!

Advertisements

3 Gedanken zu “Scheiße sagt man nicht …

  1. Hihi, ich muss an einen Tag denken, an dem wir einen Stimmbildner an unserer Schule (Erzieherausbildung) hatten, der uns das Wort „scheiße“ einmal auskosten ließ: „Es ist alles drinnen, was die Kinder in einem richtig tollen Wort brauchen. Das „sch“ die Nase wird gekäuselt, das „sch“ ausgestoßen, das „ei“, der Mund wird breit, das „ß“ die Zunge stößt es scharf durch die fast geschlossenen Zähne aus… Die Gesichtsmuskeln sind in Bewegung, das Wort ist zusätzlich nicht unbedingt beliebt und in der analen Phase daher äußerst beliebt…“ so oder so ähnlich. Das war ein großer Spaß. ^^

    Gefällt 1 Person

      1. Manchmal machen den Kindern die Worte einfach Spaß, denke ich an das freudestrahlende Gesicht als mein Kleiner mir mit so manch einem Wort aus der Kita entgegentrat. Aber im Großen und Ganzen sehe ich das schon ähnlich: Wenn in die eine Richtung Einmischung stattfindet, darf es gern auch in die andere Richtung passieren. 🙂

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s